Wer vor April 1980 eine Fahrerlaubnis der Klasse 3
erworben hat, darf Krafträder bis 125 ccm ohne zusätzliche Prüfung
fahren. Alle Anderen müssen noch einmal die Fahrschulbank drücken.
Allerdings sind die gesetzlichen Hürden für den Erwerb der Klasse A1
herabgesetzt worden. Wer Fahrerfahrung und den Führerschein Klasse B
(oder den alten Klasse 3) hat, kommt mit wenigen Fahrstunden und
praktischer Prüfung relativ preiswert an den A1 oder, wenn man älter
als 25 Jahre ist und 5 Jahre die Klasse B hat, an die Erweiterung B196.
Allerdings ist die Erweiterung nicht zur Höherstufung berechtigt,
wohingegen die Klasse A1 auf A für Motorräder über 125 ccm nach
erneuter Prüfung höhergestuft werden kann.
Jetzt tun wir mal so, als wäre eine entsprechende Fahrerlaubnis
vorhanden.
Wie fährt sich der Spacy? Dank des geringen Gewichts lässt er sich
leicht auf- und abbocken. Auch das Kurven fahren gestaltet sich leicht
und ohne Anstrengung.
Im Stadtverkehr ist man flott unterwegs, auch wenn man sich an die
StVO hält, also sich nicht zwischen Fahrspuren durchschlängelt und an
Ampeln nach vorn mogelt. Parken gelingt auch recht einfach. Streng
genommen ist es nicht zulässig, Zweiräder auf dem Gehweg -selbst ohne
Behinderung- abzustellen. Und wo Parkautomaten / Parkuhren stehen, muss
man Gebühr entrichten. Dafür darf man auch den Stellplatz eines Pkw
nutzen. Selbst für mehrere Kräder auf einem Stellplatz wird für jedes
Fahrzeug die Gebühr fällig. Aber wer schon einen Führerschein hat,
dem sollte die StVO geläufig sein. Es kommt drauf an, wie streng die Überwachungskraft
die Gesetze auslegt.
In der Stadt wird man jedenfalls nicht zum Verkehrshindernis. Mit seinen 10 PS hält
der Spacy locker den Anschluss im Verkehrsgeschehen. Auch außerorts auf
Landstraßen geht es noch recht gut.
Zwar dürfen Leichtkrafträder auch Kraftfahrstraßen und Autobahnen
benutzen, aber großen Spaß machen Autobahnfahrten nicht. Die Höchstgeschwindigkeit
von etwas über 90 km/h wird in der Ebene erreicht, an Steigungen lässt
der Elan des Motors schnell und spürbar nach. Das verführt grade Lkw
zum überholen, denn die kommen auch an Steigungen nicht aus der Puste.
Mit teils mehr als 500 PS auch kein Wunder.
Das Schlimme sind die Luftwirbel, die so große Fahrzeuge
verursachen. Erst die Bugwelle und dann am Ende des Lastzugs ein kräftiger
Sog. Dadurch kommen Zweiräder leicht vom Kurs ab – das kann gefährlich
werden.
Die Stärken des Spacy liegen im Stadt- und Überlandverkehr.
Von Motorradfahren werden Rollerfahrer gerne etwas abschätzig
angesehen. Dabei sind die Unterschiede gar nicht so groß. In der 125er
Klasse sind die Fahrleistungen vergleichbar, wobei Roller durch die
Automatik einfacher zu handhaben sind. Schwerere Motorräder sind natürlich
leistungsfähiger, also in Spurt und Endgeschwindigkeit überlegen. Aber
der Fahrtwind ist der gleiche, und auch die unmittelbare Erlebbarkeit
des Fahrens ist bei beiden Fahrzeuggattungen gegeben.
Wer sowohl Roller als auch Motorrad fährt, wird das bestätigen.
Allerdings gibt es prinzipbedingte Unterschiede zwischen Motorrädern
und Motorrollern.
Beim Motorrad sind Motor und Getriebe fest etwa mittig im Rahmen
eingebaut. Die Kraftübertragung erfolgt mit Kette, Riemen oder
Kardanwelle zum an einer Schwinge geführten Hinterrad. Dadurch wird die ungefederte
Masse gering gehalten.
Bei Rollern wird eine andere Bauweise praktiziert. Motor, Auspuff,
Getriebe und Schwinge werden zu einer kompakten Einheit zusammengefasst.
Das nennt man dann Treibsatzschwinge.
Diese Treibsatzschwinge wird in Fahrzeuglängsachse mit ihrem
vorderen Ende beweglich im Rahmen gelagert. Hinten, meist an der
Radachse, stützt sich diese Einheit über Federn und Stoßdämpfer am
Rahmen ab. Dadurch ist konstruktionsbedingt die ungefederte Masse
höher. Aber der rollertypische freie Durchstieg kann so realisiert
werden, beim Motorrad sind an der beim Roller freien Stelle Tank und Motor.
Auf schlechten Wegstrecken macht sich bei Rollern die größere
ungefederte Masse beim Fahrkomfort negativ bemerkbar. Andrerseits ist
durch die leichte Hecklastigkeit -wenigstens theoretisch- eine bessere
Bodenhaftung des Hinterrades beim bremsen gegeben.
Oft wird behauptet, Motorroller hätten durch die kleinen Räder ein
geringere Eigenstabilität. Das ist nur zum geringen Teil richtig. Zwar
rollen 10" oder 12" Räder durch ihren kleineren Durchmesser
holpriger durch Schlaglöcher als ein 19" Rad. Die Stabilität bei
normaler Fahrt ist aber vergleichbar, da die Drehzahl kleinerer Räder
bei gleicher Geschwindigkeit höher ist. Andere Faktoren wie die
Lenkgeometrie der Gabel haben hier mehr Einfluss als der gyroskopische
oder Kreiseleffekt. Chopper mit ihrer flachen Gabel haben fast stoischen
Geradeauslauf, sind aber weniger kurvenfreundlich als Kräder mit
steiler stehender Gabel. Der Spacy hat einen Nachlaufwinkel von 27° und
einen Nachlauf von 84mm, die VT600 (Chopper) einen Nachlaufwinkel von
35° und einen Nachlauf von 164mm. Auch darum lässt sich der kleine
Spacy agiler durch enge Kurven bewegen, kommt aber bei einer seitlichen Böe
eher vom graden Weg ab als die schwere Maschine. Unsicher sind beide
Fahrzeug nicht.