Einzylinder- Viertaktmotormotor mit einem Hubraum von 125 ccm saugt bei jeder
zweiten Umdrehung eben diese 125 ccm Luft an. Das ist nicht viel, oder
scheint zumindest so. Aber: bei einer Drehzahl von 8000 Umdrehungen pro
Minute -etwa 85 km/h- sind das immerhin 500 Liter pro Minute, ein halber
Kubikmeter! Zweitakter sogar die doppelte Menge.

Papierluftfilter
Ein verschmutzter Filter hat logischerweise nicht mehr den vollen Durchsatz,
er setzt der Luft mehr Widerstand entgegen als ein sauberes Exemplar. Die Folge davon sind Leistungsabfall und
erhöhter Kraftstoffverbrauch. Darum sollen Luftfilter regelmäßig
überprüft und ausgetauscht werden. Reinigungsversuche sind von
vornherein zum scheitern verurteilt.
Es gibt noch sogenannte Sportluftfilter, die aus einem Drahtgewebe
bestehen. Die sollen der Luft weniger Widerstand entgegensetzen und,
theoretisch, so zu mehr Leistung führen. Eine nennenswerte
Reinigungswirkung haben diese Drahtfilter nicht. Allerdings muss für
mehr Luft auch mehr Benzin kommen, für wirkliche Leistungserhöhung
müsste auch eine größere Hauptdüse her, was erhebliche
Anpassungsarbeiten erfordert.

Sportluftfilter, kaum
reinigende Wirkung,
keine merkliche Leistungssteigerung
Wenn solche Sportluftfilter wirklich Mehrleistung brächten, wären
sie auch eintragungspflichtig. Der ADAC hat, wenn auch nur bei Pkw,
solche Filter getestet. Mehrleistung konnten die Prüfingenieure nicht
feststellen. Im Gegenteil, bei einem der getesteten Filter sank die
Leistung sogar messbar ab. Die Filterleistung war meist geringer, und
damit auch der Verschleiß höher.
Der gesamte Ansaugprozess scheint recht einfach zu sein. Tatsächlich
ist es ein komplizierter Vorgang, denn die Luft wird in Schwingungen
versetzt und quasi mit Schwung in den Vergaser geleitet. Wir habe es
also auch hier mit einem Resonanzsystem zu tun.
Wenn man sich den Luftfilterkasten des Spacy genauer ansieht, fällt
auf, dass die Luft nicht einfach so hereinkommt. Etliche Röhren mit
unterschiedlichen Maßen sitzen gleich im Eingang. Das ist nicht
zufällig so, sondern bildet ein genau berechnetes System. Der
Luftfilterkasten hat mehr Einfluss auf die durchströmende Luftmenge als
der eigentliche Filter. Jeder Eingriff in dieses System führt nur zu
einer Verschlimmbesserung und mehr Geräusch. Da auch das
Luftfiltergehäuse als KMKV8E1 in der Zulassung eingetragen ist, können
Manipulationen hier zum Verlust der Betriebserlaubnis führen. Bei einem
Unfall kann das sogar den Verlust des Versicherungsschutzes bedeuten und
strafrechtliche Konsequenzen haben. Also besser Finger weg.
Kontrolle und Austausch des Luftfilters sind nicht schwierig. Es
werden benötigt:
Schraubenschlüssel SW 10 oder Ratsche mit Nuss SW10
Kreuzschlitzschraubendreher
neuer Luftfilter
Nach Abnahme der linken hinteren Seitenverkleidung wird der Deckel
des Luftfiltergehäuses nach lösen von drei Kreuzschlitzschrauben
entfernt. Der Filtereinsatz ist nun zu sehen. Im Neuzustand ist der
Papiereinsatz je nach Hersteller gelb oder rot, auf jeden Fall aber eine
lebhafte Farbe. Wirkt das Filterpapier angeschmuddelt, ist der Austausch
ratsam. Îm Wartungsplan des Herstellers ist alle 12.000 km ein Austausch
vorgesehen. Versuche, den Filter durch auswaschen in Benzin oder aussprühen
mit Bremsenreiniger zu säubern bringen nichts, der Schmutz wird nur
nach innen getrieben und nicht entfernt.
Der alte Filter kann mit einer Schraube gesichert sein, dieser Filter
ist leider schlecht oder gar nicht mehr zubekommen. Der Ersatz, z.B.
Hiflo HFA1109 hat die Befestigung nicht mehr, ist aber dennoch
uneingeschränkt geeignet. Bei der Gelegenheit auch das Innere des
Gehäuses und den Deckel reinigen, aber aufpassen, dass keine Flusen aus
dem Putzlappen in den Luftkanal zum Vergaser geraten. Anschließend den
neuen Filter einsetzten, er sitzt recht stramm in der Öffnung.
Nachdem der Deckel wieder an seinem Platz ist, die drei Schrauben
wieder einsetzen und mit etwas Gefühl anziehen. Kommt hier zu viel
Kraft zum Einsatz, können die Gewinde im Kunststoff ausreißen. Zum
Schluss das Seitenteil wieder anbringen.
Versuchsweise kann man kurz den Motor starten, wenn weder der Luftfilter
noch der Deckel des Luftfiltergehäuses angebracht sind. Die
Geräuschentwicklung ohne diese Bauteile ist erheblich, der Filter und
das ihn umgebende Gehäuse dämpfen das Ansauggeräusch auf ein
erträgliches Maß.
Was über die Verhältnisse im Ansaugtrakt geschrieben wurde, gilt in
gleichem Maße auch für die Abgasseite des Motors. Auch der Auspuff ist
nicht einfach nur ein Rohr mit einer Blechdose in der Mitte. Wenn das
Abgas aus dem Zylinderkopf des Spacymotors ausströmt, fließt es durch
ein Rohr einmal um den Auspufftopf herum. Dieses Rohr wird etwa in der
Mitte etwas aufgeweitet, um dann in ein Stück mit deutlich größerem
Durchmesser überzugehen. Erst dann geht es in den Topf. Der hat in
seinem Inneren ein Labyrinth aus Querschotten mit definierten
Öffnungen. Die ganze Abgasanlage dient nicht nur der
Geräuschdämpfung, sondern ist ebenfalls ein Resonanzsystem. Dieses System
ist so abgestimmt, dass es besonders bei höheren Drehzahlen durch die schwingende
Gassäule Altgas aus dem Brennraum saugt. Dadurch wird der Füllgrad mit
frischen Benzin- Luftgemisch und damit auch die Leistungsentwicklung
verbessert. Auch der Auspuff ist ein in der Zulassung bzw. ABE definiertes
Bauteil, beim Spacy der Typ MKV8K. Bei Veränderungen gilt das oben zum
Luftfilter Gesagte.
Sowohl auf der Ansaug- als auch auf der Abgasseite sind die
Durchflussmengen und die Strömungsverhältnisse sorgfältig und fein
aufeinander abgestimmt. Hobbymäßige Umbauten führen darum kaum zu
wirklichen Verbesserungen, bestenfalls zu mehr Geräusch. Eher bringen solche Umbauten Ärger wegen
erloschener Betriebserlaubnis. Auch die Zuverlässigkeit und die
Alltagstauglichkeit können sich verschlechtern. Ernsthaftes Tuning zur
Leistungssteigerung bleibt Spezialisten vorbehalten und hat nur Sinn,
wenn man abseits öffentlicher Straßen Motorsport betreibt. Wer
mit einem leistungsgesteigerten Fahrzeug im Bereich der StVZO unterwegs
sein will, muss diese Änderungen von Sachverständigen abnehmen und in
die Papiere einragen lassen.
Ob ein fast dreißig Jahre alter Spacy als Rennroller taugt? Eher
nicht.